Willkommens-Kaffee im Hof des Schloss Kirchberg, Jagst
Foto: Sonja Jürschik, Demeter Landesverband Baden-Württemberg e.V.
„Vom Bio-Boom zur starken Inflation: Wege für die Demeter-Gemeinschaft – Erzeuger, Verarbeiter, Händler auf regionaler Ebene stabil zu vernetzen und dabei für einen achtsamen Umgang zu sensibilisieren, dafür engagieren wir uns täglich. Unser neues Format ist dafür ein wichtiger Baustein in der regionalen Verbandsarbeit“, fassen Handelsreferentin Laura Stricker und Regio-Referent Tim Fetzer im Rückblick auf 2022 zusammen.
Laura Stricker und Tim Fetzer schauen optimistisch nach vorn: „Die Begegnung im Demeter Wertschätzungsnetzwerk und entlang der regionalen Wertschöpfungsketten ist in der momentanen Zeit wichtiger denn je. Herausforderungen wie steigende Kosten, turbulente Rohwarenmärkte sowie verunsicherte Verbraucher: innen bereiten auf allen Ebenen Sorgen. Auch die Demeter-Wertschöpfungsverbünde gerieten in 2022 unter Druck, andererseits wurde deutlich, dass die regionalen Wirtschaftskreisläufe eine hohe Resilienz aufweisen. D.h. gegenseitiges Verständnis und Transparenz können Schlüssel für künftige Krisen sein.“
Auf dem Wert-Schätzungs und Wertschöpfungs-Netzwerktreffen zeigt sich: Alle hier sitzen im gleichen Boot. Die gegenwärtige Wirtschafts- und Rohstoffkrise löst eine gesellschaftliche Wertediskussion aus. Und nur wer auch in dieser Krise unternehmerisch klug handelt, sichert damit die Demeter-Erzeugung und Demeter-Partnerschaft von übermorgen. In seinem Impulsvortrag beleuchtete Simon Döring die Marktentwicklungen und betriebswirtschaftlichen Herausforderungen im Fachhandel und gab den Teilnehmern einige interessante Thesen mit. Auf dem Podium diskutierten die Erzeuger:innen Sophie Kraul, Klaus Wais, Rolf Holzapfel mit Verarbeiter Volkmar Spielberger und Sabine Stachorski aus dem Handel über die Herausforderungen im Markt, Lösungswege und die wichtigsten Stellschrauben. In drei parallelen Workshops ging es um die Frage, was in der Erzeugung, der Verarbeitung, im Handel und im Verband zu tun ist, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Eine der dringlichsten Hausaufgaben für ALLE: die Leistungen der biodynamischen Landwirtschaft und die Nachhaltigkeit also auch die Mehrwerte der Demeter-Produkte an die Verbraucher zu vermitteln, auf Höfen, in verarbeitenden Betrieben in Läden und über die Medien.
„In jeder Krise liegt auch eine Chance. Wir werden nicht müde, als Erzeugergemeinschaft immer wieder zu kommunizieren, dass wir keine Kompromisse in der Produktion bester Heumilch machen. Und generell für die gesamte Demeter-Gemeinschaft gilt, dass es Ziel sein muss, eine transparente Kalkulation entlang der Wertschöpfungskette in diesen Zeiten mit hoher Inflation hinzubekommen.“
„Wir müssen unseren Einfluss geltend machen in der Politik für gute Bedingungen für Biolandwirtschaft. Wir müssen laut werden, und deutlich machen, dass biodynamische Landwirtschaft die Antwort ist auf diese Krise. Wir auf unserem Betrieb haben den Anspruch alles zu tun, damit es Böden, Pflanzen und Tieren gut geht und wir wollen als Familie auch davon leben können.“
„Wir müssen konsequent zeigen, dass wir regional vernetzt sind und verlässliche Partner innerhalb der Wertschöpfungsketten. Erzeuger liefern vereinbarte Mengen, Kunden nehmen die Mengen ab, keiner treibt Preise, sondern alle denken an die gesamten Akteure entlang der Produktionskette vom Getreidekorn über die Mühle bis ins Regal. Dieses gegenseitige Bemühen zeichnet die soziale Qualität der Demeter-Gemeinschaft aus.“
„Wir legen großen Wert darauf, die Mitarbeiter:innen in unseren Märkten zu schulen. Jeder bei uns im Unternehmen darf verstehen, wie konsequent und über viele Jahrzehnte hinweg Nachhaltigkeit, Tierwohl und Biodiversität im biodynamischen Landbau gelebt werden. Kurz: was Demeter bedeutet, also für was der Name steht und was die Produkte so besonders macht.“
„Wir müssen künftig konsequenter denn je den Mehrwert von biodynamischen Lebensmitteln kommunizieren. Dabei müssen wir insbesondere deutlich machen, was die Mehrwerte im Vergleich zu „billigeren“ Bio-Produkten ausmacht. Diese liegen in den hohen Anforderungen in der Landwirtschaft und in der Verarbeitung, aber auch in der Art wie wir handeln und mit welcher Wertschätzung wir mit allen Partnern entlang der Wertschöpfungskette umgehen. Hierfür müssen wir bei unseren Kund:innen Verständnis wecken, damit sie am Regal nicht nur den Preis, sondern auch den Wert der Produkte beurteilen können.“
„Meinem Empfinden nach ist der Funke übergesprungen, dass die Demeter-Partner sich gegenseitig wahrnehmen müssen. Ein Wir-Handeln ist gefragt. Das Treffen hat mir erneut gezeigt, wie engagiert alle Demeter-Partner sind. Auch deshalb engagiere ich mich seit vielen Jahren ehrenamtlich für die biodynamische Landwirtschaft. Als Verbraucherin ist mir u. a. wichtig, die Ernährungsqualität bis zum Endprodukt zu erhalten und die Transparenz über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Insbesondere, dass die Erzeuger:innen einen angemessenen Preis erhalten und damit die Basis/Grundlage der biodynamischen Lebensmittel geschützt und erhalten wird “
Besuch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Minister Peter Hauk (MLR). Beim politischen Besuch, gemeinsam organisiert mit der AÖL (Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau standen Antworten der Bio – und biodynamischen Landwirtschaf auf Dürre und Klimaveränderungen im Mittelpunkt.
Mitgliedernähe ist uns wichtig. Dabei half in 2022 eine Mitgliederbefragung und der Austausch auf der Vielfalts-Tour „Apfel bis Ziegenkäse“ in den Demeter-Kulturregionen. An den landesweiten Ökoaktionswochen beteiligten sich viele Mitglieder und wir sorgten gemeinsam mit Betriebsleiterinnen dafür, dass Demeter Produkte auf dem landwirtschaftlichen Hauptfest in Stuttgart zu genießen waren und die engagierten Imker, Solawi-Landwirte und Hofkäsereien mit Muttergebundener Kälberhaltung eine Bühne bekamen. Hier mehr über die einzelnen Betriebe und Produkte der Mitgliedertour erfahren.
In derzeit 12 regionalen Hausgarten-Gruppen in Baden-Württemberg wird biodynamisches Gartenwissen vermittelt. Manche Gruppen beteiligen sich aktiv an der Herstellung der Biologisch-Dynamischen Präparate auf den Höfen und in den Gärtnereien. Durch die Jahreszeiten hindurch gibt es unterschiedliche Angebote für Gleichgesinnte: im Winter meist theoretische Einheiten, ab Frühjahr starten Kompostkurse, Gartenbesuche und Exkursionen zu biologisch-dynamischen Betrieben.
Wer die Zusammenhänge im Garten erlebt und selbst gezogenes Gemüse und Obst gedeihen sieht, der kann nachvollziehen, was Demeter-Erzeuger im großen Stil leisten.
Nicole Fischer, Gemüse- und Baumschulgärtnerin, Baden-Württemberg
„Bei den Hausgärtner-Treffen geht es um die Wahrnehmung: Wie ist das Kleinklima, der Boden, was wächst an welchem Standort? Dass man den Garten als kompletten Organismus sieht. Statt einem ‘ich stülpe meine Idee über’, eine Betrachtung der Boden-Bedingungen, der Pflanzengemeinschaften, die schon bestehen. Und dann die Frage: ‘Was passt dort dazu?“, erläutert Nicole Fischer ihre Vorgehensweise, wie sie Gartenfans sensibilisiert, die zu ihr kommen. Nicole Fischer engagiert sich seit fast 20 Jahren für die Hausgärtner. Zu ihr kommen 20-Jährige, denen die digitale Welt nicht genügt, die mit den Händen arbeiten wollen und denen Selbstversorgung ein Anliegen ist. Aber auch ehemalige Gartenbau-Profis, die nun Zeit haben, den eigenen Garten weiterzuentwickeln, oder Menschen von Gartenbauvereinen mit Wissenslücken zum naturnahen Gärtnern. Nicole Fischer liegt am Herzen, dass sich immer aufs Neue herumspricht, was in einem Garten mit eigenem Kreislauf alles möglich ist, damit der Nutzgarten eine Oase für alle Lebewesen ist und gesunde, starke Pflanzen gedeihen, die mit den Klimaveränderungen klarkommen. Sie betrachtet sich als Begleiterin und Netzwerkerin in Sachen Umwelt- und Naturschutz und sieht sich gewissermaßen als Vermittlerin einer verbesserten Wahrnehmungsfähigkeit mit dem Wissenshintergrund der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise. Regelmäßige Infos über Hausgärtner-Treffen auch im Demeter-Gartenrundbrief.
Das Hofgut Rengoldshausen feierte mit zahlreichen Besuchern bei schönstem Wetter sein 90-jähriges Jubiläum. Zur Eröffnung der Feier gratulierte Christoph Reiber im Namen des Demeter Landesverbandes BW und des Demeter Gesamtverbandes und dankte der Rengoldshausener Betriebsgemeinschaft in seiner Rede für die vielfältigen Leistungen des Hofes, für die vielen wertvollen biodynamischen Impulse und das große ehrenamtliche Engagement der vielen einzigartigen Menschen vom Hof in den verschiedenen Verbandsgremien, sowie für die langjährige gute Zusammenarbeit zwischen dem Hofgut und dem Verband.
Wer noch mehr lesen möchte, hier geht’s zum Jahresbericht Demeter BaWü.