Entwicklungsbericht 2022-2023

Demeter in Bayern

Auch das Jahr 2022 war beim noch jungen Demeter Landesverband Bayern e.V. geprägt von Veränderungen: Neben personellem Wechsel in der Geschäftsstelle und der Beratung ergaben sich auch Veränderungen in der Vorstandschaft. In verschiedenen Projekten und auf Events traten wir mit Mitgliedern und Verbraucher:innen in Kontakt.

Vorstand Demeter Bayern

Nach der Mitgliederversammlung am 25.9.2022 setzt sich der neue Vorstand von Demeter Bayern folgendermaßen zusammen, v.l.n.r.: Stephan Offermanns, Annelore Wagner, Anton Wimmer, Michael Ackermann, Andreas Hopf, Josef Gaigl. Nicht auf dem Foto: Gerald Herbst © Jan Ulrich

Neu in der Geschäftsstelle seit 2022

Constanze Enthammer ist seit Mai 2022 im Team und betreut und berät unsere Mitglieder als Referentin für regionale Qualitätsunterstützung in Qualitätsfragen. Martina Thalmeyer ist seit Juli 2022 im Team. Sie betreut als Regioreferentin alle Händler, Verarbeiter und Erzeuger in Vermarktungsfragen und mehr. Andreas Römert ergänzt seit 1.10.2022 zusätzlich unser Team in der Erzeuger-Beratung in der Region Unterfranken.

Constanze Enthammer ©

Constanze Enthammer

Referentin regionale Qualitätsunterstützung

Demeter Landesverband Bayern e.V.

Andreas Römert

Andreas Römert

Beratung Region Unterfranken

Demeter Landesverband Bayern e.V.

Trotz einiger Kündigungen konnte 2022 die Mitgliederzahl durch Neuzugänge stabil gehalten werden. Die Durchschnittsgröße der landwirtschaftlichen Fläche erhöhte sich auf 44,9 ha/Betrieb. Diese positive Entwicklung in Bezug auf die bewirtschaftete Flächengröße zeigt, dass es auch für größere Betriebe interessant ist, sich dem Verband anzuschließen. Erwähnenswert ist das umfangreiche Spektrum an Beratungsthemen, das den Landwirt:innen angeboten werden kann. Das Potenzial bezieht sich auf die Aufklärung zu Verordnungen sowie intensive Beratung für produktionstechnische als auch klima- und artenschutzrelevante Themen.

Projekte und Events in Bayern

Die Haltung horntragender Milchkühe wird zunehmend zu einer Nische auch im Ökolandbau. In einigen Rassen könnte das Aussterben horntragender Kühe im Bereich der Nutztierhaltung Deutschlands real werden. Dies allerdings bietet auch Chancen der Profilierung. In einem besonderen Format bearbeiteten sechs Betriebe im Raum Chiemgau über zwei Jahre hinweg ihre Fragestellungen zur Haltung, Herdenführung und zum Stallbau horntragender Milchkühe. Auf sieben Treffen fand Praxisaustausch unter Begleitung und Moderation des Beraters Ulrich Mück statt. Es beinhaltet Beteiligung aller Praxisteilnehmer, „Beratung auf Augenhöhe“ sowie Einladung, Organisation, Protokollierung und fachliche Zuarbeit durch den Berater. Unter den Teilnehmern waren sowohl Betriebe, die noch keine behornten Tiere hatten und die Möglichkeit der Haltung für sich selbst und ihren Stall prüfen wollten, als auch solche mit langjähriger Erfahrung und einer gänzlich horntragenden Herde. Die Herdengröße wies eine große Spanne von 9 bis 100 Milchkühen auf. Ausgehend von einer genauen stallbaulichen Erhebung und der Ermittlung von Kennzahlen der Haltung und des Herdenmanagements durch den Berater, fanden Besuche mit Stallbesichtigungen auf allen beteiligten Höfen statt. Die Teilnehmer diskutierten die betrieblichen Fragen und die kleinen Stellschrauben der Herdenführung. Oberstes Ziel war eine ruhige Herde. Fragestellungen waren u.a.: Wo sind Orte der Unruhe und wo finden Auseinandersetzungen statt? Wie ist die Kraftfutterstation angeordnet und wie lässt sich ein vorderer Ausgang nachrüsten? Wie lässt sich kuhgebundene Aufzucht integrieren? Verschiedene Varianten für Umbaulösungen wurden besprochen und durch den Berater mit Forschungsergebnissen aus einem bundesweiten Projekt zur Haltung horntragender Milchkühe ergänzt. Der Austausch des Praktiker-Erfahrungswissens und vieler wertvoller Hinweise gelang dabei sehr gut. Jeder Betrieb erhielt angepasste, möglichst kostengünstige Maßnahmenvorschläge zu seinen Fragen. Ein guter Teil davon wurde noch während des Projektes von den Betrieben umgesetzt. 

Motivierte und gut geschulte Handelspartner sind für alle Demeter Partner ein Gewinn.
Die Schulungsaktivitäten der Handelshäuser nehmen Fahrt auf. Besonders engagiert in Sachen Schulungen ist Edeka Südbayern. Die Anforderungen aus den Vertriebsgrundsätzen werden bereits seit 2021 übererfüllt. Dieses Engagement wurde auch von Vorständen und Geschäftsführung gewürdigt. Auch die REWE Gruppe Süd plant nun neben dem neu eingeführten E-Learning Präsenzschulungen auf Demeter-Höfen anzubieten.
Ein erstes persönliches Kennenlernen in 2022 zwischen Dr. Ute Haimerl, Martina Thalmayr und den Verantwortlichen der REWE Süd auf dem Biohof Grenzebach, mit einer sehr inspirierenden Hofführung, hat hier offensichtlich positiv auf die Motivation in Sachen „Präsenzschulungen“ gewirkt.

„Lebensfreude, Genuss und ganz viel Geschmack ins Herz der Stadt“ zu tragen, war der Vorsatz der diesjährigen Veranstaltung „Bio-Erleben“. Nach zweijähriger Pause wurde vom 22.07. bis 24.07.  auf dem Nürnberger Hauptmarkt wieder geschlemmt, getrunken und genossen werden. Neben dem, wie üblich, sehr breit aufgestellten Essen- und Trinkangebot, erwartete die etwa 30.000 Besucher ein überzeugendes musikalisches und informatives Angebot auf der großen Zentralbühne. Der Demeter Landesverband Bayern konnte sich wieder mit einem Stand beteiligen und mit personeller Untermauerung von Raphael Hartmann und Jan Ulrich sehr erfolgreich über die biodynamische Wirtschaftsweise informieren. Die durchweg positive Rückmeldung der Besucher auf unser Engagement hat uns wieder gezeigt, wie wichtig der direkte Kontakt zum Verbraucher ist. Das zeigte auch das große Interesse an unserem Demeter-Preisrätsel. Dabei mussten diverse Fragen über die Besonderheiten der biodynamischen Landwirtschaft beantwortet werden, was viele vor nicht geringe Herausforderungen stellte. Insgesamt ziehen wir eine sehr positive Bilanz und hoffen, auch dieses Jahr noch einen Informationsstand in Nürnberg realisieren zu können.

An der Waldorfschule Augsburg fand nach 2 Jahren, erstmals nach Corona, am 3. Oktober das Erntedankfest wieder statt. Gemäß Veranstaltern strömten in der Größenordnung eines Spitzenergebnisses sehr viele Besucher zu der seit über 20 Jahren stattfindenden Veranstaltung. So kamen viele junge Familien - weit über die Schulgemeinschaft hinaus – um sich an den vielfältigen Aktions- und Erlebnisständen für Erwachsene und Kinder zu erfreuen. Musik, Kranzbinden, Fahrrad Repair-Cafe, Sauerkrautstampfen, Apfelsaftpressen, Getreidedreschen, Bogenschießen, Informationsstände, Verkostung von 66 alten Apfelsorten mit Apfelsortenbestimmung, Lamaführung, Bienenführung boten ausführliche Möglichkeiten.

Alle Essensstände waren ausverkauft und die drei Demeter-Betriebe Hubert und Lisbeth Birkmeir, Roland Popfinger und Carmen Grimbs sowie Andreas und Sylvia Haider hatten starken Andrang und viele Gespräche an ihren Marktständen.

Am Demeter Info-Stand gab es interessierte Fragesteller und viele Kinder rätselten am Demeter-Preisrätsel über die Frage „Welche Wunder wirken Weidetiere?“.

So lautete das interessante und spannende Motto der diesjährigen Demeter-Herbsttagung, die am 16. Oktober im Rudolf-Steiner-Haus wieder in Nürnberg stattfand. Die eingeladenen Referenten befassten sich mit der dringenden Notwendigkeit, Halbwahrheiten, Unwahrheiten, Irrtümer und Täuschungen im Bereich Landwirtschaft und Ernährung zu erkennen und zu benennen. Nur so wird es möglich sein, wirkliche Lösungen für die Krisen unserer Zeit zu finden.

In seinem Vortrag mit dem Thema „Rinder – Klimakiller oder unersetzbar“ zeigte Dipl.-Ing. Ulrich Mück eindrucksvoll die große Bedeutung der Rinder für den Organismus Erde, Landwirtschaft und Ernährung auf.

Ein reger Austausch der Tagungsteilnehmer über eigene Ernährungsstrategien, Ideen und Anregungen schloss sich dem Vortrag an.

Ein weiteres Highlight der Herbsttagung war auch in diesem Jahr wieder die Präsentation eines Demeter-Hofes. Uwe Neukam und Stephanie Rivera stellten die Hofgemeinschaft Vorderhaslach und deren Entwicklung vor.

Der Nachmittag war dem Thema „Was kosten Lebensmittel wirklich“ gewidmet. Die Referentin Amelie Michalke ging den Fragen nach: „Wie kann gesellschaftliches Bewusstsein für den eigenen Konsum, sowie für die Wertschätzung landwirtschaftlicher Arbeit geschaffen werden?“ Neben den Kosten der landwirtschaftlichen Produktion sollte auch der Nutzen, vor allem biologischer landwirtschaftlicher Praxis in Form von Ökosystemdienstleistungen, weitergehend diskutiert werden.